Fastentücher von Alfred Graf, 1996

Fastentücher von Alfred Graf, 1996

Wachs und Asche auf Baumwolle

Die Tücher, die im Festsaal über der Bühne entrollt werden können, entstanden in einer Werkphase, in der ich mich mit Energieströmen beschäftigte. Am Anfang wichtiger Arbeiten nehme ich mir oft eine Auszeit zur Meditation oder Einstimmung, um Energie zu schöpfen und meine ganze Aufmerksamkeit auf die folgende Tätigkeit zu richten. Diesmal schlief ich dabei ein, zum ersten Mal.
Im Aufwachen hatte ich dann ein Bild vor Augen, das mich mit starker Euphorie erfüllte. Ströme von Punkten, die sich weiten und verdichten. Sie symbolisieren unsere fünf Sinne, die wir analog zu dem Gleichnis der fünf Jungfrauen klug oder töricht einsetzen können. Die, die sich bewusst am Energiestrom aus der Urquelle ausrichten, handeln klug und im Einklang mit dem universalen Geist. Sie haben das notwendige Öl für das innere Licht, das ihnen in dunklen Stunden Sicherheit gibt.
Wachs nährt wie das Öl die Flamme (Licht). Asche bleibt als Rückstand beim Verbrennen und bildet gleichzeitig den Nährboden für neues Leben. So sind auch die verwendeten Materialien konzeptuell in den Meditations-, Überlegungs- und Entstehungsprozess eingebunden.
Alfred Graf

Maler und Objektkünstler, 1958 in Feldkirch geboren; 1979-84 Akademie der bildenden Künste, Wien; zahlreiche Stipendien und Preise, Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland;
Kataloge: u.a. Sylt 2005-2008, Essenz der Landschaft 2012; GeMÜNDEet – Malta und Lieser 2018, Val Welle 2022, O(u)tisak (2022);
www.alfredgraf.com

 

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