Toledo-Zimmer

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Der Zyklus „Genesis“ von Irma Rafaela Toledo

Seit Mitte der 80er Jahre hängt die „Genesis“, das zehn Bilder umfassende Hauptwerk von Irma Rafaela Toledo (1910-2002), als Dauerleihgabe bei uns im Schloss Puchberg und erfreut seit vielen Jahren unsere SeminarteilnehmerInnen. Ihr Sohn Hannes Schmeisser hat uns nun die Bilder geschenkt, worüber wir uns sehr freuen. Wir möchten uns bei ihm gemeinsam mit all den Besucherinnen und Besuchern, die das Werk von Irma Rafaela Toledo lieben und schätzen, sehr herzlich bedanken!

In wenigen Monaten des Jahres 1973 schuf Toledo 14 große Bilder, aus denen sie später acht auswählte, zwei weitere malte und zum Zyklus „Genesis“ zusammenstellte. Acht der Bilder stammen aus 1973, eines aus 1975 und eines aus 1981, jedes mit einem begleitenden Zitat aus der Übersetzung des Alten Testaments von Martin Buber: 1. Mose 1,1-21; 2,1.15; 3,1-5.22-24.

1978 besuchte sie gemeinsam mit einer Freundin ein religionsphilosophisches Seminar in Puchberg, in den freien Stunden zeichneten die beiden Frauen in der tiefverschneiten Umgebung des Schlosses. Rektor Karl Wild wurde auf die Malerin aufmerksam und lud sie ein, im nächsten Jahr einen Aquarellkurs im Schloss abzuhalten. Mit dieser Einladung begann eine langjährige Lehr- und Seminartätigkeit, die die Künstlerin als große persönliche Bereicherung empfand und die zu einer engen Verbundenheit mit Schloss Puchberg führte. Diesen Ort wählte sie dann für die dauerhafte Präsentation ihres zentralen künstlerischen Vermächtnisses.

„Toledos Zyklus „Genesis“ war ursprünglich nicht als solcher konzipiert. Der von ihr hoch geschätzte Psychologe Joachim Schacht erkannte in einem Gemälde die Darstellung des ersten Schöpfungstages und brachte sie damit auf die Idee der malerischen Umsetzung der Schöpfungsgeschichte. Beeinflusst war sie dabei ohne Zweifel vom aufwühlenden Erlebnis der Wüste Negev in Israel und der dichterisch freien Übersetzung des hebräischen Bibeltextes durch Martin Buber. Toledo hielt sich in ihrer künstlerischen Interpretation des Schöpfungsaktes weder an die biblischen sieben Tage noch an deren thematische Zuordnung. In zehn Bildern charakterisierte sie die Phänomene des Ursprungs und des Werdens. Die Schöpfung als großes Geheimnis wird offenkundig, jedoch nicht enträtselt.“ (Aus dem Text der Sonderausstellung im Salzburger Museum Carolino Augusteum 2002/2003)

 

Irma Rafaela Toledo wurde 1910 als Irma Friedmann in Laufen/Bayern geboren. Eine Freundin gab ihr wegen ihres südländischen Aussehens und in Anspielung auf Grillparzers „Die Jüdin von Toledo” den Namen Toledo, der später zu ihrem Künstlernamen wurde.

Durch die nationalsozialistische Verfolgung verlor sie den Großteil ihrer Familie – 39 Familienmitglieder starben in den Vernichtungslagern, nur einer ihrer Brüder blieb am Leben. Sie überlebte als Gattin eines „arischen” Soldaten und schließlich im Versteck bei Bauern am Schlenken südlich von Salzburg.

Unseren Gästen wünschen wir belebende Inspiration und besinnliche Freude beim Verweilen vor den wunderbaren Bildern von Frau Irma Rafaela Toledo.

Christine Tröbinger

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